Die Komplexität des japanischen Marktes zu bewältigen, kann für jedes Unternehmen eine Herausforderung sein. Um in Japan erfolgreich zu sein, muss man nicht nur die Sprache verstehen, sondern auch kulturelle Faktoren berücksichtigen – das ist das Wesentliche der Lokalisierung.
Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen ein japanisches Publikum erreichen möchten, ist der Beitrag eines erfahrenen lokalen Experten von entscheidender Bedeutung. Wir haben uns mit Satomi Shimizu, einer erfahrenen Lokalisierungsspezialistin bei HubSpot, und haben sie gebeten, uns ihre wertvollen Erkenntnisse darüber mitzuteilen, wie man in diesem einzigartigen und hart umkämpften Umfeld erfolgreich sein kann.
Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Lokalisierungsbranche und einem tiefen Verständnis für kulturelle Nuancen bietet Shimizu fachkundige Beratung für Unternehmen, die in Japan Fuß fassen möchten.
Lesen Sie unser Interview, um einen umfassenden Überblick über die Strategien und Überlegungen zu erhalten, die für eine effektive Lokalisierung von Produkten und Dienstleistungen für japanische Verbraucher unerlässlich sind.
Interview
Loie Favre: Können Sie uns zunächst einmal vorstellen, was Sie tun und welche Erfahrungen Sie im Bereich Lokalisierung gesammelt haben?
Satomi Shimizu: Ich komme aus Tokio, Japan. Dort habe ich bis zu meinem 20. oder 21. Lebensjahr gelebt. Ich habe an der Universität Linguistik studiert, wo mein Interesse an fremden Kulturen mich dazu veranlasste, Deutsch zu lernen. Schließlich bin ich nach Berlin gezogen, wo ich seit über 20 Jahren lebe.
Seit meiner Mittelschulzeit war es mein Traum, Übersetzer zu werden. Japan ist eine sehr monokulturelle Gesellschaft, aber ich war schon immer daran interessiert, andere Kulturen kennenzulernen. Ich bin seit über 15 Jahren in der Lokalisierungsbranche tätig, habe mit Studentenjobs angefangen und mir nach und nach eine Karriere aufgebaut.
Loie Favre: Das ist großartig. Was ist Ihre Aufgabe bei HubSpot?
Satomi Shimizu: Ich arbeite als Lokalisierungsspezialistin für Japanisch bei HubSpot, einem großen Unternehmen mit über 8.000 Mitarbeitern weltweit und Hauptsitz in Boston, USA. Das Hauptprodukt von HubSpot ist Unternehmenssoftware, und wir bedienen viele verschiedene Märkte. Einige von uns sind in der EMEA-Region tätig, andere in AMER, wieder andere in JAPAC – wir sind überall vertreten! Als Expertin für japanische Lokalisierung arbeite ich mit dem globalen Lokalisierungsteam, der HubSpot-Niederlassung in Japan und unseren regionalen Experten in Japan zusammen.
Loie Favre: Wie unterstützen Sie die verschiedenen Abteilungen bei der Lokalisierung?
Satomi Shimizu: Ich arbeite mit vielen verschiedenen Teams zusammen, darunter Marketing, Vertrieb, Akademie, Partner, Kundensupport, Erfolg und manchmal auch Personalwesen.
Meine Aufgabe besteht darin, die Produktfunktionen, Schaltflächen und Texte von HubSpot aus dem Englischen ins Japanische zu lokalisieren, ebenso wie Marketingmaterialien, interne Dokumentationen, Rechtsdokumente und vieles mehr. Selbst wenn die Mitarbeiter eines japanischen Unternehmens Englisch verstehen, kann es sein, dass sie standardmäßig alle Unterlagen auf Japanisch benötigen.
Loie Favre: Wie sieht der Lokalisierungsprozess bei Hubspot von der Anfrage bis zur Lieferung aus?
Satomi Shimizu: Das hängt vom jeweiligen Asset ab. Bei der Produktlokalisierung senden wir automatische Benachrichtigungen an externe Übersetzer, sobald die Ausgangssprache aktualisiert wird. Anschließend überprüfen wir die Übersetzungen. Bei Artikeln und Webseiten gibt es einen eher manuellen Prozess, an dem regionale Marketingteams und Produktmanager für Lokalisierung beteiligt sind. Für bestimmte globale Inhalte gibt es einen Verantwortlichen, einen sogenannten „Champion“, der die Teams koordiniert.
Unsere Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Lokalisierung der Dateien. Wenn wir beispielsweise das CAT-Tool verwenden, sind wir dafür verantwortlich, die übersetzte Datei aus dem CAT-Tool in unsere Hubspot Content Marketing Software zu übertragen. Außerdem führen wir vor der Veröffentlichung Qualitätssicherungsprüfungen für die Dateien durch.
Loie Favre: Wie stellen Sie sicher, dass lokalisierte Inhalte beim japanischen Publikum Anklang finden?
Satomi Shimizu: Nun, das Lokalisierungsteam entscheidet nicht, welche Inhalte lokalisiert werden. Wir erhalten Anfragen von anderen Teams wie Marketing, Vertrieb, Support oder Betrieb. Wir stellen unseren Linguisten Stilrichtlinien, Leitfäden für inklusive Sprache und Terminologieglossare zur Verfügung. Unser Leitfaden legt Wert auf gutes Urteilsvermögen statt starrer Regeln, um Flexibilität zu ermöglichen und gleichzeitig Konsistenz zu gewährleisten.
Als Freiberufler erhielt ich früher umfangreiche Stilrichtlinien mit über dreißig Seiten, die nur schwer zu handhaben waren. Im Gegensatz dazu sind unsere HubSpot-Stilrichtlinien einfach und benutzerfreundlich.
Loie Favre: Was sind einige wichtige kulturelle Nuancen, die man beachten sollte?
Satomi Shimizu:
Die japanische Sprache und Kultur sind ziemlich einzigartig und relativ isoliert, sodass die Lokalisierung ein tiefes Verständnis der lokalen Konzepte und des lokalen Kontexts erfordert.
Viele globale kulturelle Referenzen sind in Japan möglicherweise nicht bekannt. Ich habe beispielsweise zuvor Lokalisierungsarbeiten für die Vermarktung von Luxusuhren durchgeführt. Dazu gehörten auch Prominente als Werbeträger, aber diese Prominenten und Sportler waren in Japan nicht bekannt, sodass sie ersetzt werden mussten.
Loie Favre: Gibt es häufige Fehler, die Unternehmen bei der Lokalisierung für Japan machen?
Satomi Shimizu: Unternehmen unterschätzen oft die Komplexität der japanischen Lokalisierung. Sie erfordert Aufwand, Investitionen und muttersprachliche Sprachkenntnisse.
Gehen Sie nicht davon aus, dass die Lokalisierung für Japan wie in anderen Märkten abläuft. Investieren Sie in interne Sprachexperten, die für Konsistenz sorgen können. Ich habe einmal mit einem Start-up zusammengearbeitet, das alle japanischen Übersetzungen an viele verschiedene Personen ausgelagert hat – und das hat man gemerkt! Regionale Dialekte wurden vermischt, und die Formalisierung und der Ton waren völlig uneinheitlich, was zu einer inkohärenten Botschaft führte.
Gehen Sie nicht davon aus, dass die Lokalisierung für Japan wie in anderen Märkten abläuft. Investieren Sie in interne Sprachexperten, die für Konsistenz sorgen können. Ich habe einmal mit einem Start-up zusammengearbeitet, das alle japanischen Übersetzungen an viele verschiedene Personen ausgelagert hat – und das hat man gemerkt! Regionale Dialekte wurden vermischt, und die Formalisierung und der Ton waren völlig uneinheitlich, was zu einer inkohärenten Botschaft führte.
Die japanische Sprache spiegelt die soziale Hierarchie wider. Wenn man ältere Menschen oder Personen mit Autorität anspricht, verwendet man andere Ausdrücke als gegenüber jüngeren Menschen oder in einem eher ungezwungenen Kontext.
Für Online-Inhalte gibt es eine standardisierte „Website-Schriftart“. Bei HubSpot verwenden wir diese Schriftart im gesamten Lokalisierungsworkflow, um Konsistenz zu gewährleisten.
Loie Favre: Welche Faktoren beeinflussen die Kaufentscheidungen japanischer Kunden?
Satomi Shimizu: Vertrauen ist in Japan von entscheidender Bedeutung, und Kunden bevorzugen detaillierte Informationen. Japanische Verbraucher haben hohe Ansprüche – sie möchten eine Kaufentscheidung auf der Grundlage fundierter Informationen treffen. Selbst wenn Ihre Website nach westlichen Maßstäben sehr informationsreich erscheint, könnte sie für Japan genau richtig sein. Dieser Ansatz lässt sich auf japanischen Websites beobachten.
Japanische Verbraucher sind sehr sprachbewusst. Sie bemerken Fehler und verlieren das Vertrauen in Ihre Marke, wenn Sie nicht richtig kommunizieren können.
Aus diesem Grund ist es unerlässlich, jegliche Unsicherheit beim Kunden zu vermeiden. Bei HubSpot durchlaufen alle Inhalte mehrere Überprüfungs- und Qualitätssicherungsschritte, bei denen die Sprache überprüft und der Text an die Best Practices aus den Bereichen Marketing und SEO angepasst wird. Das Streben nach Perfektion ist in der japanischen Kultur der Standard, und internationale Unternehmen sollten diese Denkweise übernehmen, um in Japan wettbewerbsfähig zu sein.
Derselbe hohe Standard gilt auch für den Kundensupport in Japan, daher ist es unerlässlich, in einen qualitativ hochwertigen Support zu investieren.
Loie Favre: Wie digitalaffin ist die japanische Öffentlichkeit?
Satomi Shimizu: Die meisten Japaner sind mit digitalen Umgebungen vertraut, auch wenn meine Mutter sich manchmal über Technologie beschwert! Viele Dienstleistungen sind digitalisiert, darunter Reservierungen, Fahrkarten und Wartelisten in Geschäften und Salons.
Ein Aspekt der Automatisierung in Japan, den man im Westen nicht oft sieht, sind Servierroboter, beispielsweise in Geschäften und Restaurants. Hier in Berlin habe ich bisher nur ein Restaurant mit einem Roboter gesehen!
Loie Favre: Welche sozialen Plattformen sind in Japan besonders beliebt und wie können Unternehmen diese nutzen, um mit einem japanischen Publikum in Kontakt zu treten?
In Japan verwenden wir eine Social-Messaging-App namens LINE. Es ist der beliebteste Messenger in Japan, und viele Unternehmen nutzen ihn. Sie können beispielsweise dem LINE-Kanal eines Unternehmens beitreten, um Benachrichtigungen mit Rabattcodes und Sonderangeboten zu erhalten.
Instagram, YouTube, TikTok und sogar Facebook sind ebenfalls beliebt. Allerdings gibt es nicht so viele LinkedIn-Nutzer, und mir sind keine lokalen Alternativen bekannt.
Loie Favre: Sollten Unternehmen, die auf den japanischen Markt vorstoßen möchten, Line nutzen?
Satomi Shimizu: Das hängt davon ab, was Sie verkaufen. Bei HubSpot nutzen wir LINE nicht, da es eher für B2B-Unternehmen wie Lebensmittel- und Bekleidungsgeschäfte geeignet ist. Wenn Sie Freizeitartikel an Verbraucher verkaufen, ist LINE gut geeignet, für den Business-to-Business-Bereich jedoch weniger.
Loie Favre: Gibt es bestimmte rechtliche oder regulatorische Aspekte, die Unternehmen beachten müssen, die auf den japanischen Markt abzielen?
Satomi Shimizu: Japan hat seine eigene Version der DSGVO, das Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten (APPI). Unternehmen sollten mit Rechtsberatern zusammenarbeiten, die mit den japanischen Vorschriften vertraut sind. So wurden beispielsweise kürzlich die Vorschriften für die Vermarktung bestimmter Produkte geändert, die als Kosmetika oder Arzneimittel eingestuft werden könnten.
Loie Favre: Ist der Ton in der Geschäftskommunikation eher formell oder informell?
Satomi Shimizu: Die Geschäftskommunikation in Japan ist formeller als in westlichen Ländern. E-Mails und andere Korrespondenz enthalten oft höfliche und respektvolle Formulierungen, die Professionalität betonen.
Ich würde eine geschäftliche E-Mail, die mit „Hey!“ beginnt, möglicherweise lokalisieren. In Japan halten wir jedoch mehr Abstand und es gibt bestimmte Umgangsformen. Daher würde ich eine angemessene Formulierung hinzufügen, um die Höflichkeit zu zeigen, die das Publikum erwartet.
Loie Favre: Gibt es aktuelle Trends, die Unternehmen, die in den japanischen Markt eintreten möchten, beachten sollten, um relevant und wettbewerbsfähig zu bleiben?
Satomi Shimizu: Unternehmen müssen sich über aktuelle Ereignisse in Japan im Klaren sein. So könnte beispielsweise der Wertverlust des Yen Auswirkungen auf die Preisstrategien haben.
Loie Favre: Vielen Dank für Ihre Zeit, Satomi. Ich bin sicher, dass unsere Leser diesen Beitrag sehr aufschlussreich finden werden – ich fand ihn auf jeden Fall!
Satomi Shimizu: Es war mir ein Vergnügen! Vielen Dank für die Gelegenheit, mein Wissen weitergeben zu dürfen. Der japanische Markt kann eine Herausforderung sein, aber auch sehr fruchtbar.
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